Zukunft Kreiskrankenhaus Mainburg - Interview mit Karsten Wettberg

03. April 2019

Ein kleines Interview mit Karsten Wettberg - Vorsitzender des Fördervereins „Freunde Mainburger Krankenhaus e.V.“

1. Warum ist der Standort Mainburg für den Landkreis so wichtig?

Karsten Wettberg:
Dadurch wird die ärztliche Versorgung, der hier lebenden Bürger/Innen und der Beschäftigten der beiden Mainburger Weltfirmen Wolf und HAIX gesichert! Ziel muss es bleiben von jedem Standort im Kreis Kelheim ein Krankenhaus binnen 30 Min. Fahrzeit erreichen zu können. Das wäre im südlichen Landkreis ohne das Mainburger Krankenhaus nicht der Fall.

2. Wieviel Kosten trägt der Landkreis anteilig?

Karsten Wettberg:
In Mainburg stehen ca. 100 Betten zur Verfügung, von denen aber nur 90 Betten von der Landesregierung als zuschusswürdig betrachtet werden. Derzeit übernimmt lt. Vertrag der Landkreis Kelheim 15 Prozent des Defizits der Ilmtalkliniken (Mainburg + Pfaffenhofen) übernehmen. Dies wird zukünftig aber neu festgesetzt werden, da der Landkreis Pfaffenhofen eine Überprüfung gefordert hat.

3. Sind es nur die Unterhalts- und Personalkosten, die diese Krankhäuser unwirtschaftlich machen?

Karsten Wettberg:
Nein! Die größten Posten sind Neuanschaffungen und notwendige Investitionen, die wir durch Bundesvorgaben des Gesundheitsministeriums von Berlin erhalten und die meist ohne Fördergelder von den Landkreisen gestemmt werden müssen. So nach dem Motto: „Anschaffen ja, wie ihr das finanziert, ist euer Problem!“ Ein Beispiel dazu ist der Brandschutz. Auf Landkreisebene kommen für beide Krankenhäuser Kelheim und Mainburg noch Generalsanierungen hinzu. Ungerechter Weise werden „kleine Krankenhäuser“ auch noch von Fördergelder ausgeschlossen, wenn es doch mal welche gibt. Ziel der Bundesregierung sind große Kliniken – Gesundheitszentren. Hier gibt es jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer! Die Landesregierung in Bayern hat scheinbar erkannt, dass im Flächenland Bayern ein solches Konzept nicht umsetzbar ist und hat für kleinere Krankenhäuser Gelder versprochen. Ein aber bleibt! Bisher nur ein Versprechen!
Wie im gesamten Gesundheitssystem, sind auch für Krankenhäuser zusätzlich die Fallpauschalen ein großes finanzielles Problem. Für eine Blinddarm-OP gibt es z. B. nur den Betrag „X“, ohne dass mögliche Komplikationen oder Schwere der Operation eine Rolle spielen!

4. Wie ist die Ausstattung der Krankenhäuser? (Personelle und auch technische Ausstattung!)

Karsten Wettberg:
Das Krankenhaus Mainburg ist mit Ärzten und Krankenschwestern von hoher Qualität hervorragend versorgt. Allerdings muss man sagen, dass alle Beschäftigten derzeit unter einer sehr hohen Belastung ihren gewiss nicht leichten Dienst verrichten müssen. Es spielen natürlich die Vorgaben aus Berlin eine große Rolle, da die Bezahlung des Pflegepersonals viel zu niedrig ist, und natürlich der Nachwuchs durch die qualifizierte Ausbildung und einer damit verbundenen Ausbildungszeit von mindestens drei Jahren fehlt. Dadurch können fehlenden Kräfte nicht unmittelbar ersetzt werden, selbst wenn der Bund das Geld zur Verfügung stellen würde. Dies führt logischerweise zu jeder Menge Überstunden.
Die technische Ausstattung unserer Krankenhäuser soll immer auf dem neuesten Stand sein, damit unsere Ärzte auch ihr gesamtes Wissen und ihre Erfahrung am Patienten einsetzen können. Schon aus Konkurrenzgründen müssen wir als Landkreis auch viel Geld in die technische Ausrüstung stecken. Dazu kommen die Generalsanierung und große Summen für den Brandschutz. Dabei ist ein neuer OP-Saal unbedingt notwendig und auch so geplant! Leider gibt es in Mainburg aus vielerlei Gründen keine Kernspintuntersuchungen (MRT) mehr, was für viele Patienten eine große zeitliche Belastung ist, da eine Fahrt nach Landshut, Kelheim, Pfaffenhofen oder Regensburg unumgänglich ist.

5. Was denken die Angestellten in den Krankenhäusern? Wie sicher ist ihr Arbeitsplatz?

Karsten Wettberg:
Da war schon immer ein gewisses Unbehagen zu verspüren, weil durch die noch vor einigen Monaten geplanten großen Veränderungen viele Gerüchte im Umlauf waren, die die Sorge um den Arbeitsplatz zur Folge hatte. Für die Sicherheit der Arbeitsplätze war sicherlich die beschlossene politische Entscheidung der Kreisräte, dass die Ilmtalklinik die vorgeschlagene Variation Innere Abteilung + Geriatrie wieder revidiert hat. Wäre diese Variation vollzogen worden, bin ich davon überzeugt, dass die Mainburger Klinik in wenigen Jahren nur noch ein Portalkrankenhaus - Annahmekrankenhaus zur Erstversorgung (ohne Chirugie) - oder sogar geschlossen worden wäre. Deshalb habe ich auch als einziger Kreisrat dagegen gestimmt, da die jetzige Situation (Chirurgie + Innere Medizin) die Zukunft und somit die Arbeitsplätze des Mainburger Krankenhauses sichert.
Dabei möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, mich für die große, teils auch finanzielle Unterstützung der hiesigen weltorientierten Firmen zu bedanken. Übrigens hat unser Förderverein für das Kreiskrankenhaus Mainburg inzwischen ca. 70 Mitglieder geworben. Als Ziel haben wir uns mindestens 100 Mitglieder gesetzt, damit auch von dieser Seite das Krankhaus mit kleinen Dingen finanziell besser unterstützt werden könnte. Derzeit ist geplant, die Kosten für eine neue Desinfektionsanlage am Eingang des Krankenhauseses vom Förderverein zu übernehmen. Die Ilmtalkliniken werden meines Erachtens nur zusammen mit insgesamt ca. 300 Betten eine Zukunft haben.

6. Was können Sie zum kassenärztlichen Notdienst am Mittwochnachmittag und am Wochenende im Krankenhaus sagen?

Karsten Wettberg:
Soweit ich weiß, wird diese Einrichtung sehr gut angenommen und entlastet somit auch unser Krankenhauspersonal. Für unsere Hausärzte ist das Mainburger Krankenhaus sehr wichtig, da Sie sonst den kassenärztlichen Notdienst unter wesentlich schwierigeren Bedingungen erfüllen müssten.

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